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bei den evangelischen Kirchengemeinden

Mahlow und Glasow

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Aktueller Gemeindebrief der Kirchengemeinden Mahlow und Glasow

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Worte von Anne Lauschus

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

Eigentlich mochte sie diese dunkle Zeit nicht. Oft waren die kurzen Tage ja auch so ungemütlich kalt und nass. Die regenfeuchte Luft war schwer und drückte nieder. Ja, alles war vom Aufstehen am Morgen an mit Überwindung verbunden. An diesem Wochenende würde alles anders sein.  Es hätte gar kein anderes Wetter sein dürfen. Eines, das sie herausgelockt hätte, hätte nicht gepasst. Nein, dieses Wochenende wollte sie ganz für sich sein. Sie wollte ihre Gedanken denken, ihr Empfinden deuten, dem Vergangenen auf die Spur kommen, die Erinnerung pflegen und ihre Hoffnung  nähren. Ein ganzes Jahr lang schon trauerte sie. Die Trauer begleitete sie auf ungeahnte Weise. Sie gehörte zu ihr und führte sie auf Trostwege.

Fast feierlich stellte sie die kleine Trittleiter auf, damit sie das oberste Regalfach in der Kammer erreichen konnte. Vorsichtig griff sie nach der Schachtel. Einmal, vor langer Zeit, als sie noch ein Kind gewesen war, hatte sie sie schon gesehen und öffnen wollen. Sie erinnerte sich an den unerwartet strengen Blick ihrer Großmutter. Wortlos hatte diese die Schachtel genommen und weggetragen. Niemals mehr hatten sie darüber gesprochen. Im vergangenen Jahr war die Großmutter gestorben. Sie die Enkelin, hatte Großmutters Wohnung aufgelöst. Seit dem stand die Schachtel unberührt in ihrer Wohnung, in der Kammer, ganz oben im Regal.

Sie hatte Alpenveilchen gekauft. Alpenveilchen hatte die Großmutter zu jedem Geburtstag bekommen. So sollte es wieder sein. Sie entzündete die Kerze. Lange schaute sie auf das Bild vor sich. Darauf war die Großmutter abgelichtet zu sehen. Abgelichtet, wie sie immer gesagt hatte, wissentlich lächelnd über diesen altertümlichen Ausdruck.  Sie spürte den bestätigend aufmerksamen Blick vom Bild aus auf sich ruhen. Losgelöst aus aller Zeit traf er ihre Kinderseele und ließ  im schönsten Licht erstrahlen, was sie einander  bedeuteten.

Sie nahm die Schachtel. Behutsam öffnete sie den Deckel. Postkarten lagen darin, getrocknete Blüten, ein Drahtgewinde mit einem Kerzenstummel, eine Brille, ein kleines geschnitztes Pferd und ein Dokument. In ein Samttüchlein gewickelt fand sie einen Ring. Vorsichtig nahm sie einige Karten heraus. Es waren Feldpostkarten, geschrieben mit geschwungener fließender Schrift.  Alle waren mit gleichem Namen unterzeichnet, Hans. Von einem Hans hatte sie nie erzählen hören. Sie getraute sich die Post an die Großmutter zu lesen und taucht ein in eine fremde Welt. Eine Welt, die sich Liebende teilen, wenn sie so weit voneinander entfernt sind. Es ist die Welt der gemeinsamen Erlebnisse, ihrer Geheimnisse und erträumten Zukunft. Anfangs sind die Kartengrüße fast euphorisch: „Meine Liebe, wenn du doch auch hier sein könntest. Es ist hier ein besonders reizendes Tal, wo unsere Stellung aufgebaut ist.  Wir sind eine fabelhafte Truppe. Du würdest sie  alle mögen……“ „Lass dir vom Vater 10,-Mark geben von mir. Du sollst dafür ins Theater gehen. Musst mir aber berichten, was sie gespielt haben und wie es dir gefallen hat. Theater, das ist das, was mir hier draußen sehr fehlt….““Mein Liebstes, wenn wir unser Versprechen ohne Altar wahr halten,  dann feiern wir in 23 Jahren Silberhochzeit, wenn es sein soll und wir überleben.“ „Schreib sooft du kannst!“ „…ein trauriges Weihnachtsfest wird es werden, ich glaube nicht mehr an Urlaub. Wie leid mir das tut, kann ich mit Worten nicht sagen. ..Mir ist überhaupt nicht mehr ums viele reden.“. „Mein Herz, mir ist so bange. Uns fliegt hier alles um die Ohren. Mein Liebstes….“ „Nun ist das 2.Weihnachtsfest wieder fern der Heimat, fern von dir. Der Himmel ist verhangen. Es regnet. Überall Schlamm und Nässe. Hier werden wir aus dürrem Holz und Steppengras einen Baum schustern. Mein  Geschenk für dich  hab ich geschnitzt. Dabei habe ich die ganze Zeit an dich gedacht… Gegen die Trostlosigkeit  hab ich aus Draht einen Lichthalter gewickelt.  Wir haben nur  eine Kerze. Die muss jetzt für alles gut sein. Aber sie soll zuerst ein Friedenslicht sein. Mein Herz,......" 

 

Es ist spät geworden.  Hans, spricht sie in die Dunkelheit, warst du je zurückgekehrt? Seid ihr ewig das junge Paar geblieben, weil du Hans, nicht älter werden konntest und ewig  fern der Heimat bliebst? Vorsichtig legte sie die Feldpost zurück in die Schachtel .

 

Ihr Mitgefühl malte sich aus, welche Bedeutung solche Nachrichten während des Krieges hatten. Die Großmutter hatte sie bewahrt. Und die Briefe für Hans?

Wertvoller konnte  an der Front kaum etwas gewesen sein. Für die Soldaten war es in dieser Zeit  der ständigen Bedrohung für Leib und Leben eine Beruhigung, einen Brief als Lebenszeichen in den Händen halten zu können.  Die Briefe und Karten waren  außerhalb der sinnlosen Zerstörung und grauen Masse ein Rückzugsort, ein privater Raum, eine eigene Welt. Darin war die Rede von Geborgenheit, von Fürsorge, vom geliebt werden, vom Wert des Alltäglichen, von Hoffnung auf Wandel hin zu besseren Zeiten, von Schönheit, von Zukunft..….Die Feldpost lässt lesen, welche Kraft daraus erwächst, sich anvertrauen zu können und mit dem eigenen Leben, den eigenen Werten und der eigenen Geschichte  verbunden zu bleiben. So muss es gewesen sein, denkt sie. Das 40 Milliarden Feldpostsendungen in der Zeit des Zweiten Weltkrieges zugestellt worden waren, wird sie später erfahren.

Der Krieg ist vorbei – Gott sei Dank. Und doch ist es  heute wieder so, dachte sie, obgleich in einer ganz anderen Dimension. Wie viele Menschen haben  den Kontakt zu dem verloren, wozu sie gehören. Was würden sie sagen über das, was ihnen wertvoll und Heimat ist,  überlegte sie. Ihr Gesicht spiegelte sich im Glas des Fotorahmens. Sie sah ihr Gesicht  und das der Großmutter. Beide sahen sie an, als warteten sie auf eine Antwort von ihr. Lächelnd holte sie Papier und Stift, nahm den Lichthalter aus der Schachtel, entzündete den Kerzenstummel mit Ehrfurcht und begann zu schreiben. In das nächtliche Dunkel schien das kleine Kerzenlicht. Unbemerkt von ihr zog das Morgenlicht herauf.

Beim Lesen empfand sie das Schicksal von Hans und  Großmutter nach. Die  Dunkelheit drückt sie nicht. An diesem Abend schützt sie die Schreibende, Seite um Seite lang.  Jeder Satz bedeutet mehr als seine einzelnen Worte. Sie sendet Lebenszeichen an schmerzlich vermisste Menschen als Geschenk zur Weihnacht. Der Kerzenstummel im Drahtwickel ist längst ausgetauscht. Das  Licht schimmert durch das Fenster in die stille Nacht.          

     

Ihre Anne Lauschus

       

Pfarrerin Anne Lauschus 

 

ist seit 2005 die Hirtin unserer Gemeinden und hat in den letzten Jahren viele den Gemeindegliedern ans Herz gewachsene Traditionen neu geschaffen und weitergeführt.

 

Die kirchlichen Feste werden von Ihr und den hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern unserer Kirchengemeinde mit einer Mischung aus Tradition und den Menschen der heutigen Zeit verständlichen Gottesdiensten gefeiert.

 

Ihre Ideen bereichern das Leben der Gemeinde und schaffen eine Gemeinschaft der Generationen in der Kirchengemeinde.