Arbeit mit Flüchtlingen in der Region

Interview

mit Sonja Hochow

über ihre Erfahrungen mit den Flüchtlingen

Frau Hochow, können Sie sich noch daran erinnern, was Ihnen bei der Ankündigung der Flüchtlinge hier bei uns in Blankenfelde- Mahlow durch den Kopf ging?

Das waren ganz praktische Überlegungen: Wo werden sie unterkommen? Und auch: Hoffentlich werden es keine Turnhallen oder so.

Wie kam es zu ihrer ersten Begegnung mit den Flüchtlingen?

Ist ja lustig. Sie waren doch dabei. Na egal: Es war ja angekündigt worden, dass sie bald kommen. Ich hatte gehört, ich glaube bei unserer Kerzenaktion, dass die ersten am 7.12. nachmittags in der K.-Kollwitz-Straße erwartet werden. Ich war an diesem Tag im Ev. Gemeindebüro in der Rathenaustr. Wir bekamen den Anruf, dass sie plötzlich schon da sind. Und dann haben wir ja die Suppe besorgt und Kaffee und so und fuhren dahin. Ja und dann hatte ich gleich den Impuls ihnen die Hand zu reichen.

An diesem Abend blieb ich gleich lange und half beim Einrichten, besorgte eine Dolmetscherin und so. Dann fuhr ich jeden Tag dorthin. Ich hatte keine festen Aufgaben und deshalb Zeit nur zur Kontaktpflege mit den Flüchtlingen und Ehrenamtlichen.

Hat sich etwas für Sie verändert, als das 2.Übergangsheim im Jühnsdorfer Weg bezogen wurde?

Ja, plötzlich hatte ich das Gefühl, ich bin ganz allein als Ehrenamtliche dort im Jühnsdorfer Weg. Ich wurde gefragt, ob ich die Kleiderkammer aufbauen würde. Na da suchte ich mir für eine Übergangszeit Flüchtlinge zur Bewältigung dieser großen Aufgabe. Trotzdem hatte ich mehr Freude als Angst dabei. Ich hatte keine Ahnung, wie wir die Kleiderkammer organisieren sollen. Es war ein sehr kleiner Raum für die Massen an Menschen und die ständig neuen Sachen. Ich verließ mich auf mein Gefühl und sagte mir: Es wird schon gehen. Was hatte ich für Hilfsmittel? Mein gebrochenes Englisch, Hände und Füße zur Verständigung und sehr viel Freundlichkeit für jeden gleich. Das ist mir auch heute noch wichtig.

Wie stellten Sie den Kontakt zu den Flüchtlingen her?

Hab ich ja gesagt. Mit Händen, Füßen und Freundlichkeit. Ich war erstaunt, dass die Flüchtlinge voller Vertrauen auf mich zukamen und um meine Hilfe baten. Ich habe nie etwas versprochen, sondern habe jedes Mal neu versucht die Bitten zu erfüllen.

Können Sie von einem besonders eindrücklichen Erlebnis erzählen?

Ja, als das erste Mal Schnee fiel. Da waren alle, aber wirklich alle draußen. Alte und Junge und stürzten sich auf den Schnee und machten eine Schneeballschlacht. Alle waren ausgelassen. Das war schön. Überhaupt: ich muss mich nie fürchten.

Gibt es so etwas wie eine „Ernte“ nach der langen Zeit?

Lächelt verschmitzt: Ja, wenn sich die Flüchtlinge freuen und sagen, ich mache ihren Tag heller.    Und: die ersten gehen aus dem Haus und bauen sich ihr Leben auf. Ich bin froh darüber, dass das gelungen ist.

Interview: Sonja Hochow und Anne Lauschus

 

 

 

 

Begegnungs-Café

Das Begegnungs-Café findet an jedem 1. Sonntag im Monat von 15.oo-17.oo Uhr im Gemeindehaus der katholischen Kirche St. Nikolaus, Zossener Damm 39 in Blankenfelde statt.

 

Alle Informationen dazu unter

http://www.hominum-international.de/Projekte/Begegnungs-Cafe/

 

Leitlinien für das Zusammenleben mit Flüchtlingen                                                 im Kirchenkreis Zossen-Fläming

Beschlossen auf der Synode des Kirchenkreises am 7. November 2015

Grundsätzliches

Wie in der  Rahmenkonzeption für die Arbeit mit Flüchtlingen der EKBO verankert, verstehen wir uns aufgrund der biblischen Tradition als Kirche mit Flüchtlingen.

Im Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit stehen wir an der Seite von Flüchtlingen. Wir bemühen uns, Flüchtlingen zuzuhören, sie zu begleiten, Beratung zu vermitteln und ihnen zu helfen, in die neue Lebenswelt in Deutschland hineinzufinden.

Wir achten die Menschenwürde und Menschenrechte aller Zufluchtsuchenden unabhängig von ihrer Herkunft, Religion und ihren Beweggründen zur Flucht.

Flüchtlingsseelsorge und Flüchtlingsarbeit verstehen wir als Teil unserer Gemeindearbeit im Haupt- und Ehrenamt.

Öffentlichkeitsarbeit

Im Wissen um Ängste und Vorbehalte auch in unseren Gemeinden sorgen wir regelmäßig für Informationen über Fluchtursachen und Migrationshintergründe in den Herkunftsländern und über das geltende Asylrecht.

Wir bieten die Einberufung und Moderation von Bürgerversammlungen, „Runden Tischen“ und Willkommensinitiativen sowie die Moderation bei Konflikten an und stellen dafür Räume zur Verfügung. Dadurch leisten wir einen Beitrag zum sozialen Frieden im Gemeinwesen und in der Nachbarschaft.

Wir nutzen eigene Möglichkeiten für die Öffentlichkeitsarbeit (Schaukästen, Gemeindebriefe, Internetseiten des Kirchenkreises und der Gemeinden, Ausstellungen), um Flüchtlingen und ihren Anliegen auch auf diesem Wege eine Stimme zu verleihen und um Projekte und Initiativen in der Flüchtlingshilfe vorzustellen.

Zusammenarbeit mit der Diakonie

Die Diakonischen Werke bieten Gemeinden professionelle Hilfe und Unterstützung in der Begleitung von Flüchtlingen an. Deshalb wird die Zusammenarbeit mit den im Kirchenkreis tätigen Diakonischen Werken in jeder Weise gewünscht und gefördert, ohne dass eigene Möglichkeiten der Gemeinden dabei an die Diakonischen Werke  delegiert werden.

Der Kirchenkreis gewährt der diakonischen Flüchtlingsberatung und -hilfe im Gebiet des Kirchenkreises sowie Flüchtlingshilfegruppen, in denen Gemeindeglieder engagiert sind, finanzielle Unterstützung.

Interreligiöses Zusammenleben und Willkommenskultur in den Gemeinden

Wir achten mit Respekt die Religionszugehörigkeit der Flüchtlinge. Wir bemühen uns um interreligiöse Gespräche und Begegnungen.

Flüchtlingen erleichtern wir das Hineinkommen in unsere christlichen Gemeinden. Wir laden sie zu unseren Gottesdiensten und in Gemeindegruppen, insbesondere zum Mitwirken in Chören, in Musikgruppen und Bands ein.

Wir bemühen uns um Kontakte zu geflüchteten Menschen in unserem Umfeld, auch um ihre Bedarfslagen und Nöte kennenzulernen.

 

 

 

Als Gemeinden haben wir Möglichkeiten, Flüchtlingen, die noch nicht arbeiten dürfen oder können, zu einer sinnvollen Tätigkeit und zum Deutschlernen zu verhelfen und den Weg in eine Berufstätigkeit zu erleichtern. Wir unterstützen sie z.B. durch das Angebot von gemeinnützigen Tätigkeiten.

Im Blick auf die Wohnungssuche für Flüchtlinge machen wir dieses Anliegen immer wieder in den Gemeinden bekannt und unterstützen Menschen, die Flüchtlinge in ihren Häusern aufnehmen.

Anwaltschaft

Probleme und Notlagen der Flüchtlinge werden in der Öffentlichkeit kaum angemessen wahrgenommen. Aus diesem Grund sind die Flüchtlinge auf eine Anwaltschaft angewiesen, die ihre Perspektive vermittelt. Dies gilt insbesondere gegenüber der Politik, der Verwaltung und in öffentlichen Diskussionen (wie sie bspw. in den Medien zu finden sind). Unser Ziel ist humanitäre Hilfe für Flüchtlinge.

Im direkten Gespräch mit Menschen mit Vorurteilen gegenüber Flüchtlingen, erst recht gegenüber fremdenfeindlichen Äußerungen ist ein entschiedenes Eintreten für die Rechte der Flüchtlinge notwendig. Wir nennen Diskriminierung beim Namen.

Im Falle von Bedrohungen und Übergriffen auf Flüchtlinge und ihre Unterkünfte zeigen wir Solidarität z.B. durch Mahnwachen, Menschenketten und/oder Friedensgebete. Wir  bemühen uns, alle Möglichkeiten zur Deeskalation und Vermittlung auszuschöpfen.

Kirchenasyl

Kirchenasyl ist die zeitlich befristete Aufnahme von Schutzsuchenden in Räumen, in denen die Kirchengemeinde Hausrecht ausübt.  Schutz wird Menschen gewährt, deren Abschiebung oder Überstellung in ein anderes Land voraussichtlich eine Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit der betroffenen Personen oder eine Verletzung ihrer Menschenwürde und Menschenrechte darstellen würde. (Handreichung zum Kirchenasyl der Ev. Kirche von Westfalen).

Wir behalten uns vor, in seelsorgerlich begründeten Einzelfällen auf das Instrumentarium des Kirchenasyls zurückzugreifen. Wir setzen uns in unseren Gemeindekirchenräten mit dieser Möglichkeit auseinander. Die wesentlichen Fragestellungen sind dabei,

  • ob der GKR Kirchenasyl grundsätzlich befürwortet, 
  • wo gegebenenfalls Menschen im Kirchenasyl untergebracht werden können,
  • wie deren Versorgung gewährleistet werden könnte,
  • wie juristischer Beistand gesichert werden kann und
  • wie Kirchenkreis und Landeskirche einzubeziehen sind.

Bei Befürwortung erlässt der GKR einen Vorratsbeschluss, um im dringenden Fall eines Kirchenasyls sofort handlungsfähig zu sein.

Gemeinwesendiakonie

Wir erkennen in der Flüchtlingshilfe eine große Chance, das Anliegen einer Gemeinwesendiakonie voranzutreiben.

Bei der Gemeinwesendiakonie begreift sich Kirche als eine Akteurin neben anderen, die sich für „der Stadt Bestes“  (Jeremia 29,7) einsetzen. Wir setzen uns deshalb als Ziel, Netzwerke mit Menschen und Initiativen aufzubauen, die gleiche Absichten haben. Wo noch nicht vorhanden, geben wir deshalb den Anstoß zu einem Runden Tisch, um innerhalb der zu schaffenden klaren Strukturen eine gute Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen sozialen Akteuren zu ermöglichen.