Invitas in der Presse

Die Pfarrstelle in der evangelischen Invitaskirchengemeinde ist neu besetzt

In Mahlow und Glasow wirkt mit Ulrike Voigt eine gestandene Brandenburger Pfarrerin

veröffentlicht in der MAZ am 29. Juni 2020

 

Von Andrea von Fournier

 

Das Pfarrhaus in Mahlow hat seit Mai eine neue Bewohnerin. Pfarrerin Ulrike Voigt folgt der  umtriebigen Anne Lauschus als Gemeindehirtin für Mahlow und Glasow nach. Eine hohe Messlatte,  doch Ulrike Voigt (58) scheint nicht bange. Akzente sieht sie in der Kirchenmusik, Generationen übergreifenden Arbeit, Ökumene und Zusammenarbeit mit Kommune, Vereinen und anderen Akteuren. Ulrike Voigt hat zwei Kinder und fünf Enkel, auf die sie sehr stolz ist. Mit den Größeren unternimmt sie viel gemeinsam. Sie ist eine waschechte Brandenburgerin, geboren in Chorin in einem Pfarrhaushalt, aufgewachsen in Neuruppin. Sie absolvierte das Theologiestudium am Berliner Sprachenkonvikt, das Vikariat in Lichtenberg und trat 1991 die erste Stelle in Schlepzig im Spreewald an. Mit der Hälfte ihrer Arbeitszeit versah sie den Gemeindepfarrdienst und baute nach einer Zusatzausbildung die Krankenhausseelsorge am Krankenhaus Lübben auf. 1999 wurde sie im frisch aus Lübben und Luckau fusionierten „Kirchenkreis Lübben“ zur Superintendentin gewählt. „Da gab es viel „Muss“ für mich“, sagt sie, nicht nur Angenehmes. Umstrukturierungen und Personalarbeit bestimmten den Alltag: Viel zu viele Pfarrstellen und Kirchen auf noch mehr Dörfern bei weniger werdenden Mitgliedern, das forderte Entscheidungen, Zuhören, Erklärungen, Ausprobieren und Trösten. Steilvorlagen gab es nicht. Die Fusion gelang, auch eine evangelische Schule wurde gegründet, es lief. Bereits seit Anfang der 1990er Jahre engagiert sich die Pfarrerin für die Gleichstellung innerhalb der evangelischen Landeskirche, war Landessynodale, arbeitete im Gleichstellungsteam und schrieb am einschlägigen Gesetz mit, das inzwischen in der zweiten Fassung vorliegt. Ulrike Voigt suchte neue Herausforderungen im Pfarrdienst in einer anders geprägten Umgebung. Sie wurde 2010 Pfarrerin der Kirchengemeinde „Alt-Tempelhof und Michael“ in Berlin. Die große Stadtgemeinde erwies sich als sehr anders, sehr fremd. Sie versah ihren Dienst, wurde aber nicht richtig „warm“ dort. Als Ende 2019 ein Anruf der Superintendentin Katrin Rudolph aus Zossen kam, der sie auf die vakante Pfarrstelle in Mahlow hinwies, war das Zeitfenster für die Bewerbung schon fast geschlossen. Ohne zu zögern schickte Ulrike Voigt ihre Unterlagen.

 

„Hier passiert was, eine Menge mit Liebe und Hingabe“

Ulrike Voigt, neue Pfarrerin der Invitaskirchengemeinde Glasow-Mahlow

 

Die Stellenbesetzung war eine turnusmäßige „Konsistorialbesetzung“. Der Ältesten signalisieren nach Vorstellungsgottesdienst und Gespräch mit den Anwärtern dem Verwaltungsamt ihren Wunsch, das Amt entscheidet. Parallel zu ihrer Bewerbung besuchte Ulrike Voigt Mahlow und dort inkognito einen Gottesdienst. Viel Gutes war ihr im Vorfeld zu Ohren gekommen. Manches davon hat sich schon bestätigt und die neue Pfarrerin macht einen glücklichen, optimistischen Eindruck. „Hier passiert was, eine Menge mit Liebe und Hingabe“, sagt sie. Die Ankündigung der Ältesten, sie würden alles tun was sie könnten, damit die Pfarrerin sich auf ihre eigentlichen Aufgaben fokussieren kann, findet sie hervorragend. Obwohl mit Corona viele Veränderungen in ihren Dienstantritt platzten, sieht sie großes Potenzial, die Kreativität und deren Ergebnisse, die seit März spontan gewachsen sind, weiter zu nutzen: Die Musikvideos, die Julia Krenz wöchentlich für die Kindergruppen ins Netz stellt, „Seniorenbriefe“, die Diakon Thomas Hartmann entwirft und damit alle erreicht, die kein Internet haben, regelmäßige Videogottesdienste und der „Drei-Minuten-Gruß aus dem Pfarrhaus“ auf einer lebendigen Website, um die sich Hans-Walter Ludwig und Thomas Fuhrmann kümmern. Für ungewöhnliche Wege ist Ulrike Voigt offen, doch sie hofft wie alle Akteure, dass bald wieder „live“ gepredigt, diskutiert und vor allem begegnet, gesungen und musiziert werden kann und sie das Gemeindeleben kennenlernt. 

Ulrike Voigt empfindet ihr neues Heim im Pfarrhaus Mahlow als ihr bisher schönstes

"Orgel-Mini-Marathon" führte die Menschen zusammen

Regionalkantor lud am längsten Tag des Jahres zu sieben musikalischen Sommernachtsandachten

veröffentlicht in der MAZ am 22. Juni 2020

 

Von Andrea von Fournier

 

Gleich zwei der „Königin der Instrumente“ Zugetane sahen Besucher am Samstagabend auf der Orgelempore der Groß Machnower Kirche miteinander im Gespräch. „Soll ich Dir registrieren?“, fragte Kantor Fabian Enders seine Kollegin Hanna Maria Hahn. Er wollte der Blankenfelder Musikerin die Noten umblättern und notwendige Register ziehen. Die verneinte, was Fabian Enders fröhlich hinnahm: „Da kann ich endlich hören, wie diese Orgel von unten klingt!“. Wann hat der für Kirchenmusik der Region 1 im Kirchenkreis Zossen-Fläming (Diedersdorf-Dahlewitz, Mahlow-Glasow und Rangsdorf) Verantwortliche schon mal solche Gelegenheit? Dem Regionalkantor war die Idee zu verdanken, Musikfreunde und Interessierte anlässlich der Sommersonnenwende an einem Abend in sieben Kirchen seines Gebiets zu laden. Es lockten kleine Orgelgenüsse sommerlicher Werke und kurze geistliche Impulse. Gerade in dieser Zeit, wo das kulturelle und gemeinschaftliche geistig-religiöse Leben immer noch auf „Sparflamme“ laufen, war das eine wunderbare Idee. Kantorin Hanna Hahn ließ sich sofort zum Mitmachen begeistern und auch die Gemeinden und Pastoren vor Ort unterstützten das Vorhaben. Der Ablauf war für die beiden Organisten, besonders Fabian Enders, herausfordernd, für die Besucher jedoch sehr reizvoll. Jeweils zur vollen Stunde, beginnend um 17 Uhr in Blankenfelde, startete ein 35-minütiges Programm. Um 23 Uhr endete es in der Glasower Kirche mit Konzert und Johannisfeuer.

 

„Die Groß Machnower Gesell-Orgel ist ein besonderes Instrument, auf dem alte und neue Musik gleichermaßen gut klingen“

Hanna Maria Hahn, Kantorin, Blankenfelde

 

Fabian Enders „verordnete“ sich fünf Kirchen und den Anspruch, teils unterschiedliche Werke zu Gehör zu bringen, denn „nicht jede Orgel gibt alles her“. Hanna Maria Hahn spielte die Instrumente in Groß Machnow und Dahlewitz. „Die Groß Machnower Gesell-Orgel ist ein besonderes Instrument, auf dem alte und neue Musik gleichermaßen gut klingen“, sagte sie. Fabian Enders blieben nur wenige Minuten Zeit, um von Blankenfelde rechtzeitig nach Rangsdorf zu kommen. Dort hatte Pfarrerin Susanne Seehaus schon alle Vorkehrungen getroffen, das Publikum war „Corona-gerecht“ registriert und man wartete gespannt auf die Eingangstakte von der Empore. Bach´sche und noch ältere Werke wie eine Fuge von Murschhauser betteten Susanne Seehaus` Bibeltext über die Ankündigung der Geburt  Johannes des Täufers und ein sommerliches Gedicht von Mascha Kaléko. Helga und Martin Naumann aus Dahlewitz waren froh, endlich wieder „nicht konservierte Musik“ zu hören. Sie folgten dem Andachtsmotto „Von Orgelklang zu Orgelklang“ und fuhren mit dem Rad Rangsdorf, Groß Machnow und Dahlewitz an. „Groß Machnow kennen wir noch nicht und sind gespannt“, so die beiden. Für den Blankenfelder Stefan Marx, seine Frau und die Kinder war Groß Machnow die zweite Station, Dahlewitz und Glasow standen noch auf dem Programm. „Ich finde den regionalen Ansatz sehr wichtig und gelungen“, so der Kirchenälteste aus Blankenfelde. Während Fabian Enders, der in Groß Machnow die kleine Andacht hielt, auf den Ausgang zusteuerte, um sein Konzert in Diedersdorf rechtzeitig zu starten, ließ Hanna Maria Hahn ihres mit Bachs „Lobe den Herren, den mächtigen König“ ausklingen. Man glaubte förmlich, manchen der Besucher, die wie erhofft aus verschiedenen Orten kamen, mitsingen zu hören. Es war ein expliziter Wunsch der Kantorin in der Einladung, dass ab August wieder Chorgesang möglich wäre: Offensichtlich möchten die Menschen auch wieder singen.

Regionalkantor Fabian Enders an der Rangsdorfer Orgel
Fabian Enders, Roland und Hanna Maria Hahn auf der Orgelempore in Groß Machnow
Roland Hahn assistierte seiner Frau